AI Governance

ISO 42001: Der komplette Leitfaden zu KI-Managementsystem und Zertifizierung

Was die Norm verlangt, was Sie aus ISO 27001 übernehmen und wie die Zertifizierung in fünf Phasen abläuft.

Autor
Nhu-Ha Dao
Nhu-Ha Dao
Product Marketing Manager
Veröffentlicht am
5.11.2026
Aktualisiert am
5.11.2026
ISO 42001: Der komplette Leitfaden zu KI-Managementsystem und Zertifizierung

Das Wichtigste in Kürze

  • ISO/IEC 42001:2023 ist die erste zertifizierbare Norm für ein KI-Managementsystem (AIMS). ISO und IEC haben sie im Dezember 2023 veröffentlicht, erarbeitet vom Gremium ISO/IEC JTC 1/SC 42. Ein Zertifikat gilt drei Jahre, mit jährlichen Überwachungsaudits.
  • Die Norm folgt derselben Grundstruktur wie ISO 27001: Kapitel 4 bis 10 enthalten die Anforderungen an das Managementsystem, Anhang A 38 Maßnahmen in neun Themenbereichen (A.2 bis A.10), die Anhänge B bis D Umsetzungshinweise.
  • ISO 42001 ist freiwillig und keine harmonisierte Norm unter der EU-KI-Verordnung. Ein Zertifikat belegt deshalb weder Konformität mit dem Gesetz noch, dass ein KI-System Angriffen standhält.
  • Neu gegenüber einem ISMS nach ISO 27001 sind vor allem KI-Politik, KI-Inventar, die Folgenabschätzung für KI-Systeme (Kapitel 6.1.4 und 8.4) sowie Maßnahmen zu Daten, Lebenszyklus und KI-Lieferanten. Rahmen, Risikomethode und Auditprozess übernehmen Sie.
  • Mit einem bestehenden ISMS ist die Zertifizierung nach ISO 42001 ab 1 bis 3 Monaten realistisch, ohne ISMS ab 4 bis 6 Monaten. Das sind Untergrenzen, keine Durchschnittswerte.

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Zuletzt aktualisiert: 5. November 2026

ISO 42001 ist die internationale Norm für den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz im Unternehmen und die einzige, nach der Sie ein KI-Managementsystem zertifizieren lassen können. Sie legt fest, wie Sie KI-Systeme erfassen, Risiken und Auswirkungen bewerten, Verantwortlichkeiten verteilen und das Ganze laufend verbessern. Das gilt unabhängig davon, ob Sie KI selbst entwickeln, in Ihr Produkt einbauen oder nur als Tool nutzen.

Die Nachfrage wächst schneller als die Zahl der Zertifikate. Einkaufsabteilungen fragen in Lieferantenbewertungen zunehmend nach einem Nachweis für KI-Governance. Gleichzeitig zählte die jährliche Erhebung der ISO für Ende 2025 weltweit knapp unter 300 gültige Zertifikate nach ISO/IEC 42001, wie die ISO-Erhebung zeigt. Ein Zertifikat ist damit noch ein echtes Unterscheidungsmerkmal.

Dieser Leitfaden erklärt, was in der Norm steht, für wen sie sich lohnt, was Sie aus einem bestehenden ISMS übernehmen und wie die Zertifizierung abläuft. Kertos ist seit 2025 selbst nach ISO 42001 zertifiziert. Wo es hilft, zeigen wir, wie das eigene Audit verlaufen ist.

Was ist ISO/IEC 42001?

ISO/IEC 42001 ist eine Managementsystemnorm, die Anforderungen an ein KI-Managementsystem (Artificial Intelligence Management System, AIMS) festlegt. Ein AIMS ist das Zusammenspiel aus Richtlinien, Rollen, Prozessen und Nachweisen, mit dem ein Unternehmen Entwicklung, Bereitstellung und Nutzung von KI steuert. Die Norm richtet sich an Unternehmen jeder Größe und Branche, die KI-Systeme anbieten oder nutzen.

ISO und IEC haben die Norm gemeinsam herausgegeben, erarbeitet hat sie das Unterkomitee ISO/IEC JTC 1/SC 42 für künstliche Intelligenz. Die aktuelle und bisher einzige Ausgabe ist ISO/IEC 42001:2023 aus dem Dezember 2023, wie der offizielle Eintrag bei ISO ausweist. Die deutsche Fassung ist als DIN EN ISO/IEC 42001 erschienen.

MerkmalISO/IEC 42001
Vollständiger TitelInformation technology, Artificial intelligence, Management system
Aktuelle FassungISO/IEC 42001:2023, Ausgabe 1
VeröffentlichtDezember 2023
GremiumISO/IEC JTC 1/SC 42 (Artificial intelligence)
Deutsche FassungDIN EN ISO/IEC 42001
ArtZertifizierbare Managementsystemnorm
AufbauKapitel 4 bis 10 (Anforderungen), Anhang A (38 Maßnahmen), Anhänge B bis D (Hinweise)
Gültigkeit des ZertifikatsDrei Jahre, mit jährlichen Überwachungsaudits
Anforderungen an ZertifizierungsstellenISO/IEC 42006:2025
Verwandte NormenISO/IEC 27001 (ISMS), ISO/IEC 42005:2025 (Folgenabschätzung für KI-Systeme), ISO/IEC 23894:2023 (KI-Risikomanagement), ISO/IEC 27090:2026 (KI-Sicherheit)

Ein verbreiteter Irrtum: ISO 42001 prüfe, ob eine einzelne KI fair, sicher oder genau arbeitet. Geprüft wird das Managementsystem, also ob Sie die Risiken und Auswirkungen Ihrer KI-Systeme systematisch erkennen, bewerten, behandeln und überwachen. Ein Zertifikat bescheinigt die Steuerung, nicht die Qualität eines bestimmten Modells.

Aufbau der Norm: Kapitel 4 bis 10 und Anhänge A bis D

ISO 42001 folgt der Harmonisierten Struktur, die ISO für alle Managementsystemnormen vorgibt. Kapitel 1 bis 3 regeln Anwendungsbereich, Verweise und Begriffe, die Kapitel 4 bis 10 enthalten die Anforderungen, die im Audit geprüft werden. Wer ISO 27001 kennt, findet dieselben Überschriften und vielfach denselben Kerntext wieder.

Vorsicht bei den Begriffen: Die Harmonisierte Struktur hat nichts mit einer harmonisierten Norm im Sinne des EU-Rechts zu tun. Sie beschreibt nur den einheitlichen Aufbau von ISO-Managementsystemen. Die folgende Tabelle zeigt, wo ISO 42001 in den einzelnen Kapiteln KI-spezifisch wird.

KapitelThemaWas ISO 42001 dort KI-spezifisch verlangt
4 Kontext der OrganisationInterne und externe Themen, interessierte Parteien, AnwendungsbereichDie eigene Rolle bestimmen, etwa KI-Anbieter, KI-Produzent oder KI-Nutzer (4.1), und die KI-Systeme im Anwendungsbereich festlegen (4.3)
5 FührungVerantwortung der Leitung, Politik, RollenEine KI-Politik, die zum Zweck des Unternehmens passt (5.2), und Rollen für das AIMS (5.3)
6 PlanungRisiken, Chancen, ZieleKI-Risikobeurteilung (6.1.2), Risikobehandlung mit Erklärung zur Anwendbarkeit (6.1.3), Folgenabschätzung für KI-Systeme (6.1.4), KI-Ziele (6.2)
7 UnterstützungRessourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation, DokumentationKompetenz und Bewusstsein für KI-Themen nachweisen (7.2, 7.3)
8 BetriebPlanung und Steuerung der ProzesseRisikobeurteilung, Risikobehandlung und Folgenabschätzung regelmäßig und bei wesentlichen Änderungen durchführen (8.2 bis 8.4)
9 Bewertung der LeistungÜberwachung, internes Audit, ManagementbewertungInternes Audit (9.2) und Managementbewertung (9.3) für das AIMS
10 VerbesserungNichtkonformitäten, Korrekturmaßnahmen, fortlaufende VerbesserungGleiche Logik wie bei ISO 27001

Dazu kommen vier Anhänge. Anhang A enthält die 38 Maßnahmen, aus denen Sie Ihre Erklärung zur Anwendbarkeit ableiten. Anhang B gibt zu jeder dieser Maßnahmen Umsetzungshinweise, ähnlich wie ISO 27002 zu ISO 27001. Anhang C nennt mögliche KI-bezogene Ziele wie Fairness, Transparenz, Robustheit und Datenschutz sowie typische Risikoquellen, etwa Automatisierungsgrad, fehlende Erklärbarkeit oder die technische Reife eines Verfahrens. Anhang D beschreibt, wie das AIMS in verschiedenen Branchen eingesetzt und mit anderen Managementsystemen verbunden wird.

Die Annex-A-Controls im Überblick

Anhang A enthält 38 Maßnahmen in neun Themenbereichen, nummeriert von A.2 bis A.10. Wie bei ISO 27001 wählen Sie die Maßnahmen anhand Ihrer Risikobeurteilung aus und begründen in der Erklärung zur Anwendbarkeit (Statement of Applicability), welche Sie umsetzen und welche nicht (Kapitel 6.1.3). Anhang A ist nicht abschließend: Sie können Maßnahmen aus anderen Quellen ergänzen.

ThemenbereichMaßnahmenWas er abdecktBeispiel für einen Nachweis
A.2 Richtlinien zu KI3KI-Politik, Abstimmung mit anderen Richtlinien, regelmäßige ÜberprüfungFreigegebene KI-Richtlinie mit Prüfdatum
A.3 Interne Organisation2Rollen und Verantwortlichkeiten, Meldeweg für Bedenken zu KIRollenbeschreibung, dokumentierter Meldeweg
A.4 Ressourcen für KI-Systeme5Dokumentation von Daten, Tools, Systemen, Rechenressourcen und PersonalKI-Inventar mit Modellen, Datenquellen, Infrastruktur und Verantwortlichen
A.5 Folgenabschätzung für KI-Systeme4Prozess und Dokumentation, Auswirkungen auf Einzelne, Gruppen und GesellschaftFolgenabschätzung je KI-System mit Ergebnis und Freigabe
A.6 Lebenszyklus von KI-Systemen9Ziele und Prozesse verantwortungsvoller Entwicklung, Anforderungen, Design, Verifizierung und Validierung, Bereitstellung, Betrieb und Überwachung, technische Dokumentation, EreignisprotokolleTestprotokolle vor dem Release, Monitoring-Berichte
A.7 Daten für KI-Systeme5Datenmanagement, Beschaffung, Datenqualität, Herkunft, AufbereitungDatenblatt mit Herkunft und Qualitätskriterien der Trainingsdaten
A.8 Informationen für interessierte Parteien4Dokumentation für Nutzer, Meldewege für negative Auswirkungen, Kommunikation von Vorfällen, InformationspflichtenNutzerhinweise, Meldeformular, Vorlage für die Vorfallkommunikation
A.9 Nutzung von KI-Systemen3Prozesse und Ziele für verantwortungsvolle Nutzung, bestimmungsgemäße VerwendungFreigabeprozess für neue KI-Tools, Nutzungsrichtlinie
A.10 Beziehungen zu Dritten und Kunden3Verteilung der Verantwortung, Lieferanten, KundenLieferantenbewertung für KI-Anbieter, vertragliche Regelungen

Welche Maßnahmen für Sie greifen, hängt von Ihrer Rolle ab. Wer KI in eigene Produkte einbaut, braucht vor allem die Bereiche Lebenszyklus, Daten und Information der Nutzer (A.6 bis A.8). Wer KI nur nutzt, konzentriert sich auf verantwortungsvolle Nutzung und Lieferanten (A.9 und A.10) und kann reine Entwicklungsmaßnahmen begründet ausschließen.

Im Vergleich zu den 93 Maßnahmen aus Anhang A der ISO 27001 wirkt der Katalog schlank. Der Aufwand steckt aber weniger in der Zahl der Maßnahmen als in den Prozessen dahinter, vor allem in Inventar und Folgenabschätzung. Wie die Auswahl bei ISO 27001 funktioniert, zeigt unser Überblick über die ISO 27001 Controls aus Anhang A.

Für wen lohnt sich ISO 42001?

Am meisten bringt ISO 42001 Unternehmen, die KI in ihre Produkte einbauen und an andere Unternehmen verkaufen. Für sie ersetzt ein Zertifikat viele Einzelfragen in Ausschreibungen und Lieferantenfragebögen. Typische Kandidaten sind:

  • Anbieter von KI-Produkten und B2B-SaaS mit KI-Funktionen, deren Enterprise-Kunden einen Nachweis für KI-Governance verlangen.
  • Zulieferer, die von ihren Kunden Fragebögen zum Einsatz von KI erhalten, etwa in der Automobil- oder Finanzbranche.
  • Unternehmen in regulierten Branchen wie Gesundheit oder Finanzen, die KI für Entscheidungen über Menschen einsetzen.
  • Unternehmen mit mehreren KI-Anwendungsfällen in verschiedenen Teams, die einen einheitlichen Ablauf von der Idee bis zum Betrieb brauchen.

Wer nur ein einzelnes KI-Tool intern nutzt, braucht in der Regel kein Zertifikat. Hier reichen KI-Richtlinie, Schulung und KI-Inventar, um die gesetzlichen Pflichten zu erfüllen. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt unser Leitfaden EU AI Act Compliance: So bereiten Sie Ihr Unternehmen vor.

ISO 42001 und die EU-KI-Verordnung

Ein häufiges Missverständnis lautet, ISO 42001 sei unter der EU-KI-Verordnung Pflicht. Das stimmt nicht. ISO/IEC 42001 ist keine harmonisierte Norm, ein Zertifikat löst also keine Vermutung der Konformität mit dem Gesetz aus. Für das Qualitätsmanagementsystem, das Anbieter von Hochrisiko-KI nach Art. 17 KI-VO brauchen, ist seit dem 14. Oktober 2026 dagegen EN 18286 als harmonisierte Norm im Amtsblatt veröffentlicht.

Trotzdem hilft das AIMS bei vielen gesetzlichen Pflichten, weil es die Prozesse liefert, die das Gesetz voraussetzt: Rollen, Risikobewertung, Dokumentation, Schulung und ein KI-Inventar als Grundlage für die Einstufung. Wo die Norm hilft und wo nicht, zeigt unser Vergleich EU-KI-Verordnung oder ISO 42001: Was ist Pflicht, was ist Good Practice?

Die Fristen des Gesetzes laufen unabhängig von einer Zertifizierung. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten seit dem 2. August 2026, Details erklärt unser Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht.

Die Hochrisiko-Pflichten greifen nach der Verordnung (EU) 2026/1744 ab dem 2. Dezember 2027 für Systeme nach Anhang III und ab dem 2. August 2028 für Systeme nach Anhang I. Welche Systeme betroffen sind, lesen Sie in unserem Beitrag zu Hochrisiko-KI nach dem EU AI Act.

Den Gesamtüberblick über Rollen, Risikoklassen, Fristen und Aufsicht gibt unser Leitfaden zur EU-KI-Verordnung.

ISO 42001 und ISO 27001: Was Sie übernehmen können

Wer ein ISMS nach ISO 27001 betreibt, übernimmt den Rahmen des Managementsystems fast vollständig: Kapitel 4 bis 10, Risikomethode, Dokumentenlenkung, internes Audit und Managementbewertung. Neu sind vor allem die Inhalte, die sich mit der Wirkung von KI auf Menschen und mit dem Lebenszyklus von KI-Systemen befassen. Die Grundlagen Ihres ISMS fasst unser Leitfaden zur ISO 27001 Zertifizierung zusammen.

ElementIm ISMS nach ISO 27001 vorhandenNeu für das AIMS nach ISO 42001
Kontext und Anwendungsbereich (Kapitel 4)Methodik, interessierte Parteien, Scope-DokumentRolle als KI-Anbieter, KI-Produzent oder KI-Nutzer; KI-Systeme im Anwendungsbereich; KI-Inventar
Politik (5.2)InformationssicherheitspolitikEigene KI-Politik (A.2)
Rollen (5.3)ISB, RisikoeignerVerantwortliche für KI-Systeme, Meldeweg für Bedenken (A.3)
Risikobeurteilung (6.1.2)Methode, RisikoregisterKI-Risikoquellen aus Anhang C, Risiken für Betroffene außerhalb des Unternehmens
Folgenabschätzung (6.1.4, 8.4)Nicht vorhanden; Anknüpfung an die Datenschutz-Folgenabschätzung nach DSGVO möglichFolgenabschätzung je KI-System (A.5)
Erklärung zur Anwendbarkeit (6.1.3)93 Maßnahmen aus Anhang A der ISO 27001Eigene Erklärung für die 38 Maßnahmen aus Anhang A der ISO 42001
DatenKlassifizierung, Löschung, ZugriffssteuerungHerkunft, Qualität und Aufbereitung von Trainings- und Testdaten (A.7)
LieferantenLieferantenbeziehungen und Cloud-DiensteKI-Anbieter, Verteilung der Verantwortung entlang der Kette (A.10)
EntwicklungSichere EntwicklungAnforderungen, Verifizierung und Validierung, Überwachung im Betrieb (A.6)
Schulung (7.2, 7.3)Awareness-SchulungenKI-spezifische Kompetenz und Schulungen
Internes Audit, Managementbewertung (9.2, 9.3)Prozess vorhandenUm das AIMS erweitern; ein gemeinsames Programm ist möglich

Ein zweites Missverständnis betrifft die Sicherheit. Ein Zertifikat nach ISO 42001 belegt, dass KI gesteuert wird, aber nicht, dass ein KI-System Angriffen wie Data Poisoning oder Prompt Injection standhält. Dafür gibt es seit dem 14. Oktober 2026 den Leitfaden ISO/IEC 27090, der neun Arten der Kompromittierung beschreibt und kein eigenes Zertifikat kennt.

Wie Sie diese Bedrohungen in Ihr Risikoregister übernehmen, beschreibt unser Überblick zur KI-Sicherheitsnorm ISO 27090. Für die häufigste davon zeigen wir gesondert, wie Sie Prompt Injection im ISO-27001-ISMS bewerten.

Wer US-Kunden zusätzlich einen SOC-2-Bericht vorlegt, trifft dort ebenfalls auf KI. Der Entwurf der AICPA für die Trust Services Criteria vom Oktober 2026 ergänzt Points of Focus zu KI-Governance, Modellüberwachung und Trainingsdaten. Ein AIMS liefert dafür viele Nachweise, wie unser Beitrag zu den SOC 2 Trust Services Criteria 2027 zeigt.

Der Weg zur Zertifizierung in fünf Phasen

Die Zertifizierung nach ISO 42001 läuft in fünf Phasen: Anwendungsbereich und KI-Inventar, Risikobeurteilung und Folgenabschätzung, Maßnahmen und Erklärung zur Anwendbarkeit, internes Audit mit Managementbewertung, dann das Zertifizierungsaudit in zwei Stufen. Mit bestehendem ISMS dauern die ersten drei Phasen ab unter einem bis zwei Monaten, ohne ISMS ab drei bis vier Monaten. Internes Audit und Zertifizierungsaudit kommen mit etwa einem beziehungsweise ein bis zwei Monaten hinzu.

  1. Anwendungsbereich und KI-Inventar (verantwortlich: AIMS-Verantwortliche mit IT und Fachbereichen). Sie bestimmen Ihre Rolle nach Kapitel 4.1 und erfassen jedes KI-System im Anwendungsbereich: eigene Modelle, eingebaute Fremdmodelle und KI-Funktionen in Tools, die Sie bereits nutzen. Nicht freigegebene Tools sind dabei der blinde Fleck; wie Sie Shadow IT im Unternehmen aufdecken, beschreiben wir gesondert.
  2. KI-Risikobeurteilung und Folgenabschätzung (AIMS-Verantwortliche mit Produkt und Datenschutz). Sie bewerten Risiken anhand der Risikoquellen aus Anhang C und schätzen für jedes System ab, wie es sich auf Einzelne, Gruppen und Gesellschaft auswirken kann. ISO/IEC 42005:2025 gibt dafür Hinweise, ISO/IEC 23894:2023 zum Risikomanagement.
  3. Maßnahmen, Richtlinien und Erklärung zur Anwendbarkeit (AIMS-Verantwortliche, Freigabe durch die Geschäftsleitung). Sie setzen KI-Politik, Rollen, Freigabeprozess, Lieferantenbewertung und Schulungen um und dokumentieren in der Erklärung zur Anwendbarkeit, welche der 38 Maßnahmen gelten.
  4. Internes Audit und Managementbewertung (interne oder externe Auditoren, Geschäftsleitung). Das interne Audit prüft das AIMS gegen die Norm, die Managementbewertung entscheidet über Ziele und Ressourcen (Kapitel 9.2 und 9.3).
  5. Zertifizierungsaudit Stufe 1 und Stufe 2 (Zertifizierungsstelle). In Stufe 1 prüft die Zertifizierungsstelle, ob das AIMS dokumentiert und auditbereit ist, in Stufe 2, ob es im Alltag wirkt.

Wie ein Zertifizierungsaudit mit Stufe 1 und Stufe 2 im Detail abläuft, beschreibt unser Beitrag zur ISMS-Zertifizierung nach ISO 27001. Die Logik ist bei ISO 42001 dieselbe.

Planen Sie die Zertifizierungsstelle früh ein. Die Anforderungen an Stellen, die KI-Managementsysteme auditieren, regelt seit Juli 2025 ISO/IEC 42006. Mehrere in Deutschland tätige Zertifizierungsstellen sind für ISO 42001 bisher über ausländische Akkreditierungsstellen akkreditiert, etwa TÜV NORD über UKAS und RvA oder DQS über ANAB. Viele Stellen bieten kombinierte Audits mit ISO 27001 an, sofern sie für beide Normen akkreditiert sind.

Wie das Audit bei Kertos verlaufen ist

Kertos hat sein AIMS 2025 neben dem bestehenden ISMS aufgebaut. Im internen Audit Anfang September 2025 lag der Schwerpunkt auf dem KI-Inventar: Jedes im Unternehmen genutzte KI-Tool musste erfasst sein, denn nicht erfasste Tools gelten im Audit als Schatten-KI. Das AIMS umfasst die intern genutzten KI-Tools ebenso wie Kaia, den KI-Assistenten der Kertos-Plattform.

Das Stufe-1-Audit fand am 4. November 2025 statt. Den meisten Nachdruck brauchten danach nicht die Dokumente, sondern die Bestätigung der Richtlinien und der Abschluss der Schulungen durch alle Mitarbeitenden. Rund eine Woche später bestand Kertos die Stufe 2 mit einer einzigen Feststellung; das Zertifikat kam Ende 2025. Das erste Überwachungsaudit steht im November 2026 an.

Daraus folgen zwei Lehren. Erstens gehört zum Anwendungsbereich auch die KI, die Sie nur nutzen, nicht nur die, die Sie bauen. Zweitens scheitert ein AIMS seltener am Papier als an der Umsetzung im Team: Planen Sie Richtlinienbestätigungen und Schulungen als eigene Arbeitspakete vor Stufe 1 ein. Wie Kertos KI-Governance intern umsetzt, beschreibt der Beitrag Kertos erhält ISO 42001-Zertifizierung.

Beispiel: ein SaaS-Unternehmen mit 120 Beschäftigten

Die folgenden Zahlen sind beispielhaft. Ein SaaS-Unternehmen mit 120 Beschäftigten ist seit 2024 nach ISO 27001 zertifiziert. Es hat in sein Produkt eine Zusammenfassungsfunktion auf Basis eines gehosteten Sprachmodells eingebaut und setzt intern einen Support-Assistenten ein. Ein Enterprise-Kunde verlangt in der Vertragsverlängerung einen Nachweis für KI-Governance.

Das Team legt den Anwendungsbereich auf das Produkt und alle intern genutzten KI-Tools fest. Für die Produktfunktion ist das Unternehmen Anbieter, für die internen Tools Nutzer. Das Inventar findet 14 KI-Systeme, fünf davon KI-Funktionen in bereits genutzten Tools, die bisher niemand als KI erfasst hatte.

Verantwortlich ist der Informationssicherheitsbeauftragte, der das AIMS mit etwa der Hälfte seiner Arbeitszeit aufbaut. Die Produktleitung arbeitet an der Folgenabschätzung für die Zusammenfassungsfunktion mit, der Datenschutzbeauftragte stimmt sie mit der bestehenden Datenschutz-Folgenabschätzung ab. Vom Start im Juni bis zur Stufe 2 im Oktober vergehen knapp fünf Monate, weil Inventar und technische Dokumentation des Produkts länger dauern als geplant. Die Stufe 2 legt das Unternehmen mit dem Überwachungsaudit nach ISO 27001 zusammen.

Wie Kertos Sie bei ISO 42001 unterstützt

Mit Kertos bauen Sie das AIMS auf derselben Plattform auf wie Ihr ISMS. Die Maßnahmen aus ISO 27001 und ISO 42001 sind miteinander verknüpft, sodass gemeinsame Anforderungen aus Kapitel 4 bis 10 und vorhandene Nachweise nicht doppelt gepflegt werden. KI-Systeme erfassen Sie im KI-Inventar, bewerten ihre Risiken in der KI-Risikobewertung und verknüpfen sie mit Richtlinien und Maßnahmen.

Richtlinien erstellen Sie im Richtlinienmanagement der Plattform, Schulungen weisen Sie Mitarbeitenden zu und verfolgen den Abschluss als Nachweis. Die zertifizierten Experten von Kertos begleiten Sie vom Anwendungsbereich über die Folgenabschätzung bis zum Zertifizierungsaudit. Kertos ist selbst nach ISO 42001 zertifiziert und kennt die Anforderungen deshalb aus dem eigenen Audit. Einen Überblick über den Funktionsumfang gibt die Seite zu ISO 42001 auf der Kertos-Plattform.

Wenn Sie klären möchten, wie viel Ihr bestehendes ISMS für ISO 42001 bereits abdeckt, buchen Sie eine Demo und bringen Sie Ihre KI-Anwendungsfälle mit.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ISO 42001?

ISO/IEC 42001 ist die internationale Norm für KI-Managementsysteme (AIMS). Sie legt fest, wie ein Unternehmen Entwicklung, Bereitstellung und Nutzung von KI über Richtlinien, Rollen, Risikobeurteilung und Folgenabschätzung steuert. Die Norm ist seit Dezember 2023 veröffentlicht und die einzige, nach der sich ein KI-Managementsystem zertifizieren lässt.

Ist ISO 42001 Pflicht?

Nein. ISO/IEC 42001 ist freiwillig und auch unter der EU-KI-Verordnung keine Pflicht, weil sie keine harmonisierte Norm ist. Verbindlich wird sie nur, wenn ein Kunde sie vertraglich verlangt oder eine Ausschreibung sie voraussetzt.

Wie lange dauert eine ISO-42001-Zertifizierung?

Mit einem bestehenden ISMS nach ISO 27001 ist die Zertifizierung ab 1 bis 3 Monaten realistisch, ohne ISMS ab 4 bis 6 Monaten. Diese Werte setzen volle Unterstützung im Unternehmen voraus und sind Untergrenzen. Häufige Verzögerungen sind unerfasste KI-Tools, fehlende Schulungsnachweise und die Verfügbarkeit der Zertifizierungsstelle.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 42001 und ISO 27001?

ISO 27001 schützt Informationen über ein Informationssicherheits-Managementsystem mit 93 Maßnahmen in Anhang A. ISO 42001 steuert den Umgang mit KI über ein KI-Managementsystem mit 38 Maßnahmen und betrachtet zusätzlich die Auswirkungen von KI auf Menschen und Gesellschaft. Beide Normen haben dieselbe Struktur in Kapitel 4 bis 10 und lassen sich in einem gemeinsamen Audit prüfen.

Wer darf nach ISO 42001 zertifizieren?

Zertifizieren dürfen Zertifizierungsstellen, die für ISO/IEC 42001 akkreditiert sind. Die Anforderungen an diese Stellen regeln ISO/IEC 17021-1 und, speziell für KI-Managementsysteme, ISO/IEC 42006:2025. Prüfen Sie vor der Beauftragung, von welcher Akkreditierungsstelle die Akkreditierung stammt und ob sie Ihren Anwendungsbereich abdeckt.

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Nhu-Ha Dao

Nhu-Ha Dao

Product Marketing Manager

Nhu-Ha Dao hat Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Energietechnik an der RWTH Aachen studiert. Über mehrere Jahre arbeitete sie bei einem Corporate Company Builder und begleitete dort neue Geschäftsmodelle von der ersten Idee bis zur Marktreife, mit Stationen in Venture Building, Brand Marketing und E-Commerce. Als Product Marketing Managerin bei Kertos verantwortet sie heute die Release-Kommunikation, das Sales Enablement und die Positionierung für den DACH-Mittelstand. Ihr technischer Hintergrund hilft ihr, komplexe Compliance-Themen so zu übersetzen, dass sie für Teams und Kunden greifbar werden.

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